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Gedanken über unsere Lieder

Neulich habe ich jemanden, der sich dafür interessiert hat, ein bißchen von unserem Liedgut erzählt und da ist mir wieder einmal aufgefallen wie vielfältig die Themen sind und wieviel vom Leben in unseren Liedern steckt. Wenn ich mich dann erinnere, wie lustlos diese Lieder manchmal dahingesungen werden oder wie es oft zu einem Lautstärkewettkampf kommt, bei dem die Pimpfe kaum mithalten können, stimmt mich das ein bißchen traurig. Ich selbst habe mich schon dabei ertappt, daß ich Strophen noch einmal singen wollte, weil ich nicht mitbekommen hatte, daß sie schon da waren. Da hätte ich besser gar nicht mitsingen sollen, weil ich mit meinen Gedanken woanders war.

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Sehen wir uns doch einmal unsere Lieder an. Da sind die Fahrtenlieder:
Wer will mit uns nach Island ziehn? Einige von euch waren schon auf Island. Könnt ihr euch vorstellen, daß dieses Lied bei denen Erinnerungen weckt? Ich sehe jedesmal, wenn ich singe, eine andere Gegend vor mir. Manche von euch haben auch bestimmt schon einmal bei Hai um Mitternacht vor´m Kamin gehockt und kehrten gerade von großer Fahrt zurück. Manches Fähnlein hat von solch großer Fahrt ausländische Lieder mitgebracht. Wir verstehen zwar oft nicht was wir da singen, aber ihr hättet die glänzenden Augen der Griechen sehen sollen, mit denen Frank und ich im Sommer Tse kinjana gesungen haben!

Ich kenne Europas Zonen können die meisten älteren Tomburger ohne zu flunkern sagen und singen. Wenn der Geist müde wird, dann gehe ich auf Fahrt und Licht dringt ins Dunkel meines Alltags. Man muß nicht immer gleich in die Ferne ziehen. Auch zu Hause kann man ordentliche Feste feiern: Herzliebste Brüder, göttliche Prasser, schmauchet Tabak, sauft Branntwein wie Wasser, löst eurem Schatz die Haare und küßt sie wohin es trifft. Man braucht es ja nicht gleich so zu übertreiben wie der Lump, der sich dann fragen muß "Wohin soll ich mich kehren, ich armes Brüderlein?"

Der Dichter von "So troll´n wir uns ganz fromm und sacht von Weingelag und Freudenschmaus" sieht den Dingen schon etwas realistischer entgegen, versucht aber trotzdem, das Leben nicht zu schwer zu nehmen.

In unseren Liedern wird aber auch von den Schattenseiten des Lebens gesprochen: Alte Soldatenlieder erzählen vom Elend des Krieges und von traurigen Witwen: "Er fiel in der Bretagne, das ist weit, weit von hier. "Und sie erzählen von der Geschichte unseres Landes. "Des Geyers schwarze Haufen", die hat es wirklich gegeben, die haben in der Reformationszeit die erste Revolution in Deutschland angezettelt. Lasst euch von euren Fähnleinführern erzählen, was damals los war.Wenn ihr die Lieder verstanden habt, werdet ihr sie nicht wie einen Schlager heruntersingen, sondern als das betrachten, was sie sind: Kapitel der Geschichte unseres Volkes. Mir persönlich haben unsere Lieder immer viel gebracht, nicht zuletzt den wohltuenden Schauer, wenn der ganze Orden um das Ordensfeuer stand und gemeinsam das "Horridoh" in die Nacht hinaussang.

Aber auch im täglichen Leben, auf dem Schulweg zum Beispiel, fallen mir oft Liedzeilen ein, die gerade zu meinen Gedanken passen. Dann wird mir bewußt, was ich alles von den Tomburgern mitbekommen habe. Das beste aber ist die Kameradschaft, die auch in so vielen Liedern besungen wird. Da treffen sich ein Landstreicher und ein Polizist an der Weichsel und stehen nach vielen Jahren der Trennung immer noch zueinander. Es gibt leider wenige Gemeinschaften, wo das heute noch so ist. Darum bleiben wir wohl auch "eine kleine verlorene Schar und stehen für uns auf der Welt". Die kleine Schar wird von Fahrten, Liedern und Kameradschaft getragen und dafür ist jeder von euch wichtig. Und so wie jeder Verein in Deutschland seine Statuten hat, so haben auch wir unsere Regeln, und die findet ihr in den Liedern !

Ich selbst bin schon längst nicht mehr aktiv im Orden, aber diese Dinge sind fest in mir verwurzelt und bestimmen viel in meinem Leben. "Denn jeder Kerl, der mit uns war, hat für immer sich zu uns gesellt".

(Michael)